Archiv für den Monat: November 2014

Zum Katholikentag 2016 in Leipzig

Hier mein Redebeitrag auf dem Stadtparteitag von DIE LINKE. Leipzig am 22.11.2014.

Liebe Genossinnen und Genossen,

im Koalitionsvertrag von CDU-SPD lese ich „Sachsen vertritt das Prinzip der Trennung von Staat und Kirche.“ Ein Satz, dem ich nur beipflichten kann. Doch an anderer Stelle steht: „Wir treten für eine Stärkung des Religionsunterrichts ein und gewährleisten in gleichem Umfang den alternativen Ethikunterricht.“ Der Ethikunterricht wird dem Religionsunterricht untergeordnet. Von der CDU erwarte ich sowas. Aber liebe SPD, habt ihr ’ne Meise?
Das spitzt sich dann zu wenn geschrieben wird: „Wir bekennen uns zu den Staatsverträgen mit den christlichen Kirchen“. Es geht bei diesen Staatsverträgen um den Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Gedacht als Entschädigungsleistungen sind diese sicher schon längst abbezahlt.Laizismus-518x700

Ihr merkt, worauf ich hinaus will, denn wir sind hier in Leipzig: Der Katholikentag kommt 2016 her. Nagut, bitte, sollen sie halt. Doch der Stadtrat hat für dieses Event eine Million Euro zugesichert. Wohl gemerkt gegen die mehrheitlichen Stimmen unserer Fraktion. Das begrüße ich außerordentlich.
Wenn ihr euch erinnert, es gab vor einem Jahr eine stadtweite Debatte um die Finanzierung von Schulsozialarbeit in Höhe von 200.000 Euro. Ich frage mich, was bei den anderen Fraktionen im Kopf vor geht, wenn sie dem Katholikentag locker eine Million geben aber bei Schulsozialarbeit knausern.

Die Katholische Kirche ist eine der reichsten, wenn nicht gar DIE reichste religiöse Institution. Viel Leid und Unrecht wurde im Namen der Religion verursacht. Auch von Evangelikalen oder anderen Gläubigen. Wir dürfen nicht mit Kritik sparen, müssen aber auch bedenken, dass katholische Institutionen wertvolle soziale Arbeit leisten können. So die Caritas.
Ich hab den Verein im Rahmen meines Studiums mal besucht, mit Mitarbeitern gesprochen, ja, nur mit Männern. Täglich leisten sie Unterstützung für Menschen in sozial schwierigen Lagen. Mein Respekt dafür, ich kenne sowas.

Dennoch, ich hatte damals natürlich nachgefragt und euch wird es bekannt sein: Die Angestellten dürfen nicht gegen christliche Grundwerten verstoßen. D.h. Kündigung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten, die sich nicht an die kirchliche Sittenlehre halten. Wer sich also scheiden lässt, oder sich als homosexuell outet, kann entlassen werden. Rechtskräftig. Das ist eine Sauerei! Es gibt auch kein Streikrecht, Gewerkschaft ade.
Ich möchte betonen, dass ich hier gegen eine Institution spreche, nicht gegen Gläubige. Viele unserer Genossinnen und Genossen sind religiös. Der erste LINKE Ministerpräsident wird Christ sein. Auch im Jugendverband glauben einige an höhere Mächte. Gern! Sollen sie. Wenn sie daraus gut handeln und den demokratischen Sozialismus als ihren Weg gefunden haben kann ich doch nichts dagegen sagen.

Auch mir kann man die Gretchenfrage stellen. „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion?“ Die Antwort könnt ihr euch denken, sie ist sehr kurz. Aber auch privat. Religionsfreiheit ist gut und wichtig, kann aber auch heißen, frei von Religion zu sein.
Ich sehe den Laizismus, die Trennung von Kirche und Staat, als essenziell für eine moderne Gesellschaft. Dabei stehe ich auch mit beiden Beinen im Parteiprogramm. Übrigens auch im Programm des Jugendverbandes.

Das liegt dort hinten an einem Tisch aus, zusammen mit dem Bürgerbegehren „(K)eine Million“ für den Katholikentag. Wenn ihr das noch nicht unterzeichnet habt, ich bitte euch darum. Nachher kommt auch noch eine Antrag zum Thema.
Übrigens hat sogar eine katholische Kommilitonin das Bürgerbegehren bei mir unterzeichnet. Das hat mich sehr gefreut.

Und nochmal: Es geht nicht um Glaube oder um Gläubige. Es geht um eine Million für eine bereits reiche Institution. Da kann ich nur antworten:
Glaubt, wie und was ihr wollt. Aber fürs Mittelalter keine Mittel, Alter!

Danke

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Mehr zu Laizismus: linksjugend-sachsen.de/themen/laizismus

[Ich behalte mir vor, beim Sprechen ein kleinwenig vom Wortlaut verändert zu haben. Reden lerne ich nicht auswendig.]