Archiv für den Monat: November 2018

Redebeitrag zur Sicherstellung der Durchführung des Festivals DOK Leipzig

„Wir entscheiden heute über die zukünftige Durchführung des DOK-Festivals. Unter allen Großveranstaltungen, Jubiläen und Festivals, die hier in Leipzig stattfinden, hat das DOK eine besondere Rolle.

Seit 1955 findet dieses Dokumentar- und Animationsfilmfestival hier in Leipzig statt. Mit 47.000 ZuschauerInnen und hunderten von Filmen ist das DOK international, für unsere Stadt und für Ostdeutschland von großer Bedeutung.

Die Vorlage sieht vor, den Zuschuss in 2019 beizubehalten und nochmal 20.000 € in 2020 dazuzugeben. Ein „Fass ohne Boden“ [CDU] sieht etwas anders aus. Trotzdem ist es viel Geld, über das wir weise entscheiden müssen.

Würden wir dem nicht stattgeben, müsste das Festival mittelfristig die Eigenmittel aufbrauchen und würde auf Dauer das Programm deutlich reduzieren. Außerdem sind die Zuschüsse bereits im Haushaltsentwurf eingeplant.

Die Historie zur wirtschaftlichen Situation möchte ich nicht nochmal darstellen. Die Dokumente [Sachstandsbericht, Umstrukturierungsmaßnahmen und Wirtschaftsplan] sind für die geschlossene Sitzung.

Fest steht, wenn wir das Festival erhalten wollen, müssen wir es absichern.

Ich weiß, dass vor allem die CDU damit Probleme hat und deren Änderungsantrag, wenn wir ihn mal ins Verhältnis zur Vorlage setzen, sieht eine Kürzung um 50.000 € in 2019 und um 120.000 € in 2020 vor. Vor allem kam dieser Änderungsantrag heute [am Tag der Ratsversammlung]. Ich finde das unmöglich und werde das ablehnen.

Und seien wir ehrlich: Im Vergleich zu bspw. zwei vergangenen Großveranstaltungen mit Zuschüssen von 1 Mio. bzw. 950.000 € halte ich die vorliegenden Summen für vertretbar. Hinzu kommt die Bedeutung des DOK-Festivals für Leipzig.

Es sei nicht unerwähnt, dass die Festivaldirektorin Leena Pasanen 2019 hier ihre Arbeit beendet und 2020 ihren Weg in Italien weitergehen wird.

Ich bedanke mich, trotz aller kaufmännischen Kritik, bei Frau Pasanen für die von ihr geleiteten Festivals seit 2015 und hoffe auf ein würdiges Finale im nächsten Jahr.

Sie hat dem Festival Zweifels ohne etwas hinzugefügt, sie hat es bereichert. Mir fällt sofort die interreligiöse Jury ein, in der eben nicht nur zwei Vertreter der beiden christlichen Kirchen über einen Preis beraten, sondern auch ein muslimisches und ein jüdisches Mitglied in der Jury sind. Damit übernimmt Leipzig seit 2016 eine Vorreiterrolle der interreligiösen Verständigung und setzt ein Zeichen für die Zusammenarbeit und gegen die Ausgrenzung von nicht-christlichen Religionsgemeinschaften.

Eine zweite Neuerung war die Quote für den Deutschen Wettbewerb langer Dokumentar- und Animationsfilme unter weiblicher Regie. Das ist wahrscheinlich eine nochmal ganz andere Diskussion. Aber ich, als Mann, fand diese Frauenquote sehr gut. Und ich habe das Gefühl, der CDU ist das zu innovativ, zu progressiv, zu links – und daran macht sie ihre Kritik fest.

Wir sollten die Durchführung vom DOK absichern. Nicht wegen der großen Filmemacher wie Werner Herzog, sondern wegen den kleinen RegisseurInnen, den ZuschauerInnen und Filmbegeisterten.“

[Drucksache 06251, das gesprochene Wort gilt.]

PM: LINKE Stadträte fordern mehr Geld für die Freie Kulturszene

Im Rahmen der Haushaltsverhandlungen will die Linksfraktion Leipzigs Kulturbudget aufstocken.

Die Kulturpolitische Sprecherin Mandy Gehrt erklärt:

„Um die Freie Kulturszene in ihrer Vielfalt zu erhalten und die kulturellen Angebote in unserer wachsenden Stadt weiterzuentwickeln, ist es dringend notwendig, die Fördermittel maßgeblich zu erhöhen.“ Im Rahmen der aktuellen Zuwendungen würden Mindestlöhne und Honoraruntergrenzen für die Kulturakteure kaum gewährleistet, so Gehrt, „Ganz zu schweigen von den steigenden Raummieten und Nebenkosten.“

Werner Kujat, Mitglied im Kulturausschuss, erläutert:

„Wir fordern für den nächsten Doppelhaushalt eine Erhöhung der Fördermittel in 2019 um 1,6 Mio. Euro und in 2020 um weitere 3,6 Mio. Euro.“ Der Antrag soll mit SPD und Grünen eine breite Mehrheit finden.

Die Teilhabe an Kultur und kultureller Bildung will DIE LINKE ebenfalls stärken. Beantragt wurden zusätzliche Mittel für die Museumspädagogik und zur Erhöhung der Honorarsätze für Volkshochschule und Musikschule Leipzig. Die Dauerausstellungen der städtischen Museen sollen für Bürger und Gäste kostenfrei offen stehen.

Für DIE LINKE ist Kultur ist ein Grundbedarf, denn sie bildet, fördert ein kritisches Bewusstsein, sie stärkt maßgeblich den Zusammenhalt und das demokratische Miteinander. Zu Angriffen auf die kulturelle Vielfalt erklärt Kujat: „Wir wehren uns gegen Vorhaben der CDU und AfD, die Mittel für langjährig geförderte und verlässliche Kulturzentren wie das Werk 2 und Conne Island einzustellen. Der Schuss gegen die Vielfalt in dieser Stadt wird nach hinten losgehen.“

https://www.linksfraktion-leipzig.de/nc/presse/detail/news/linke-stadtraete-fordern-mehr-geld-fuer-die-freie-kulturszene/

PM: LINKE Stadträte kritisieren Antisemitismus bei Festivals

Die Deutsch-Israelische Gesellschaft Leipzig meldete in einer Pressemitteilung den Auftritt der offen antizionistischen Theatergruppe „Les Ballets C de la B“ beim „euro-scene“-Festival. Die Gruppe unterstütze Boykottaufrufe israelischer Künstler, Unternehmen und Waren.

Werner Kujat, Stadtrat der Fraktion DIE LINKE und Mitglied im Fachausschuss Kultur, erklärt:

„Die Aufnahme ins Programm hätte durch bessere Recherche und einen sensibleren Umgang mit dem Thema Antisemitismus verhindert werden können. Die Kampagne „BDS“ (Boykott, Divestment and Sanctions) ist antisemitisch und verteufelt den Staat Israel. Der Staat Israel ist allerdings eine direkte Konsequenz aus dem singulären Verbrechen des Holocaust.“

Juliane Nagel, MdL und Stadträtin der Fraktion DIE LINKE, urteilt:

„Antisemitismus und Antizionismus sind politische Ideologien und dürfen nicht durch ein künstlerisches Medium salonfähig gemacht werden. Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, doch wir erwarten gerade von Kulturschaffenden einen reflektierten Umgang mit politischen Sachverhalten und eine bewusste Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und ihren Konsequenzen.“

Erst vergangene Woche kritisierte „Leipzig nimmt Platz“ das DOK-Festival für den Film „Lord of the Toys“. Unkommentiert wurden rechte YouTuber gezeigt, die sich rassistisch, sexistisch und antisemitisch äußern. Das DOK Leipzig wies die Kritik, der Film bestätige und verharmlose das extrem rechte Weltbild, bisher zurück. „Auch da werden wir nochmal nachhaken. Es kann nicht sein, dass Kultur ein Verstärker des gesellschaftlichen Rechtsrucks ist.“, kündigt Nagel an.

Zum Antrag im Stadtrat „Gegen jeden Antisemitismus“ von SPD, Grünen und CDU äußert sich Kujat: „Wir waren irritiert, von dem Antrag erst in der Presse zu erfahren. Wir wurden nicht gefragt, aber wir unterstützen den Antrag.“

https://www.linksfraktion-leipzig.de/nc/presse/detail/news/linke-stadtraete-kritisieren-antisemitismus-bei-festivals/